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Aus der Traum vom kostenlosen Girokonto?

Wie bereits vom Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschein prophezeit, wird es vermutlich bald keine kostenlosen Girokonten mehr geben. Die Frage ist zukünftig nun nicht mehr, ob das passende Girokonto für mich kostenpflichtig ist, sondern wie viel ich monatlich für den gebotenen Service zahlen muss. Schuld an den Preiserhöhungen ist unter anderem der Leitzins, der immer noch unverändert niedrig ist.

Um Einnahmen zu generieren, werden die Banken infolge dessen immer erfinderischer. So verlangt beispielsweise die GLS Bank von ihren Kunden in Zukunft einen Solidarbeitrag in Höhe von 60€ im Jahr. Das Girokonto der GLS Bank soll zudem um 1,80€ im Monat teurer werden. Die Sparkasse ist in letzter Zeit auch immer stärker in Kritik geraten. Zunehmend werden die kostenlosen Girokonten durch kostenpflichtige ersetzt: für bestehende Kunden ein Ärgernis. Die Mehrzahl der Banken in unserem Girokonten-Vergleich bietet jedoch noch kostenlose Girokonten an.

Warum die Deutschen so empfindlich auf die Preiserhöhungen reagieren, kann laut „die Welt“ in der ausgeprägten Gratiskultur in Deutschland liegen. Durch die große Konkurrenz der modernen Fin-Techs und deren Online-Banken, sahen sich selbst große Filialinstitute dazu gezwungen, kostenlose Girokonten anzubieten. Durch die höheren Zinssätze konnten die Banken die verursachten Kosten auch ausgleichen. Seitdem der Zinssatz jedoch im Keller ist, geht die Rechnung für die Banken nicht mehr auf. Der Anbieter Number26 hat Konsequenzen gezogen und hunderte von Girokonten gekündigt und ist damit negativ aufgefallen. Eine Erklärung dazu wurde erst Tage später nachgereicht.

Vielleicht zu viel Aufregung?

Eine andere Frage ist natürlich, ob die Deutschen zurecht so empfindlich sind bei ihren Girokonten. Man sollte schon festhalten, dass es zum Beispiel bei den Erhöhungen der Kosten bei der Volksbank um Beträge um die 40 Cent geht, die in den meisten Fällen auch nur anfallen, wenn man mehr als dreimal im Monat Geld abhebt. Bei den allermeisten Menschen sollten Gebühren in diesen Größenverhältnissen keine Probleme Verursachen.

Man muss außerdem fairerweise sagen, dass die Leistungen der Banken einfach viel Geld kosten, nach aktuellen Erhebungen zum Beispiel bei der Sparkasse Düsseldorf ca. 13.000 Euro pro Automat im Jahr. In Kombination damit ist es für die Banken durch das stetige Fallen der Zinsen deutlich schwieriger geworden, über andere Kanäle Geld zu verdienen und somit haben viele Institute kaum eine Wahl, was das Erhöhen der Gebühren angeht.

Hier kann man sich schon eher darüber aufregen, dass in vielen Fällen Gebühren ab einer bestimmten Verdiensthöhe wegfallen. Der sogenannte „Mindestgeldeingang“, den manche Anbieter nutzen, bestraft grade die Menschen, die sowieso wenig Geld verdienen. Diese Geschäftsmethoden sind vielleicht eher ein Grund, die Bank zu wechseln, als ein paar Cent für die vierte Geldabhebung im Monat.

ALLERDINGS sollen die Banken hier nicht zu sehr verteidigt werden, es handelt sich nach wie vor um riesige Wirtschaftsmächte, die auch selbst viel zu ihrer finanziell schwierigen Situation beigetragen haben. Wenn zum Beispiel ein Institut auf dem Aktienmarkt mitmischt und hier Millionen von Euro verzockt sollte dies mit Sicherheit nicht auf den Kunden abgewälzt werden.

Kosten für Girokonten in anderen Ländern höher

Wie sich die Kosten für Girokonten in naher Zukunft entwickeln könnten, zeigt ein Blick ins Ausland. Der Spitzenreiter in Europa, bezüglich der jährlichen Kosten für ein Girokonto ist Italien mit durchschnittlich 253€. Etwas abgeschlagen folgen Spanien mit 178€ und Frankreich mit 154€ jährlichen Kosten. Deutschland ist 23€ unter dem europäischen Durchschnitt und bietet mit gerade einmal 89€ jährlich vergleichsweise günstige Girokonten an. Günstiger sind Girokonten innerhalb der Europäischen Union nur in den Niederlanden und in Bulgarien zu bekommen.

Preise Girokonten im Ausland

Durchschnitt der Gesamtkosten für jährliche Nutzung eines Girokontos | Quelle: European Commision © Statista 2016

Ob Banken auch in Zukunft noch kostenlose Girokonten anbieten können, ist mitunter von der Entwicklung der Zinssätze und der Konkurrenz durch Fin-Techs abhängig. Für umfangreicheren Service wird der Kunde künftig wohl noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Ob sich dann noch Filialinstitute für diejenigen, die keinen Internetzugang bzw. kein Smartphone zur Verfügung haben, durchsetzen können, bleibt abzuwarten.

Bildquelle: Vielen Dank an geralt für das Bild (geralt/www.pixabay.de)

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