Ende Niedrigzinsphase Nullzinspolitik

Ende der Niedrigzinspolitik – Bald steigende Zinsen?

Stehen steigende Zinsen und das Ende der Niedrigzinsphase vor der Tür? Wir haben recherchiert und erklären die wichtigsten Fakten.

Die wichtigsten Fakten

➔ Es deuten immer mehr Hinweise in Richtung eines Endes der Niedrigzinspolitik
➔ Der Europäische Finanzmarkt hat sich in weiten Teilen stabilisiert
➔ Ab 2018 ist eine schrittweise Anhebung des Leitzinses der EZB denkbar
➔ Noch niedrigere Zinsen, wie es vor einiger Zeit noch in Aussicht stand, wird es wohl nicht geben

Bald steigende Zinsen und Ende von Niedrigzinspolitik?

Seit März 2016 steht der Leitzins der Europäischen Zentralbank auf 0% und Sparer verzweifeln an der Niedrigzinsphase vom Sparbuch bis zum Festgeldkonto. Nun deutet sich ein Richtungswechsel in der Niedrigzinspolitik an – gibt es bald wieder steigend Zinsen?

Wie lange noch niedrigzins

Bis 2018 wird es wahrscheinlich noch dauern aber die Zeichen auf eine Wende in der Zinspolitik der EZB häufen sich zusehends. Erst kürzlich verlangte Finanzminister Schäuble, Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, müsse die „verrückte Situation“ der Zinslosigkeit so schnell wie möglich beenden und steigende Zinsen einzuleiten.

Gibt es also bald wieder Zinsen?

Eine endgültige Einschätzung, was die von der EZB ausgegebenen Zinsen angeht, ist schwierig. Experten schätzen aber, dass der EZB Chef ab Ende 2018 den Zins langsam wieder anheben wird und damit die Niedrigzinspolitik beendet.

Generell hat sich die wirtschaftliche Lage in großen Teilen Europas stabilisiert, weswegen es mittlerweile schwierig ist, die Niedrigzins Politik noch zu rechtfertigen. So ist die Arbeitslosenquote in vielen Ländern zurückgegangen. In Spanien, einem der Sorgenkinder der EU, ist sie sogar massiv gefallen von 26 auf 18 Prozent. Zusätzlich entwickelt sich auch die Inflation positiv und bewegt sich auf die Zielvorgabe von knapp unter zwei Prozent zu.

Was auf jeden Fall mittlerweile schon recht konkret geworden ist, ist, dass es keine noch niedrigeren Zinsen geben wird. Davon geht aktuell zumindest der EZB-Rat aus, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Ein rasches Anheben der Zinsen würde allerdings zu schwerem Turbulenzen am Finanzmarkt führen, was die EZB um jeden Preis vermeiden will. Das empfindliche Gleichgewicht der sich langsam erholenden Wirtschaft in Europa will man auf keinen Fall stören.

Es wird auch interessant zu sehen, wie die Bankenlandschaft auf steigende Zinsen reagiert. Während die großen Institute es wegen der niedrigen Zinsen schwer haben, florieren kleine, neue Anbieter und das Onlinebanking.

Problem vor allem für Südeuropa

Während sich hierzulande viele über eine Steigerung des europäischen Leitzinses freuen würden, wäre das Ende der Niedrigzinsphase für viele verschuldete südeuropäische Länder desaströs. Denn mit höherem Leitzins müssten etwa Italien oder Spanien auch höhere Zinsen auf ihre Staatsschulden zahlen, was die Staaten folglich noch tiefer in die Verschuldung treiben würde. So würde nach aktuellen Erkenntnissen bereits eine Anhebung des EZB-Zins um 0,1 Prozent Italien etwa 0,13 Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten.

Woher kommt die Niedrigzinspolitik?

An dieser Stelle noch eine kleine, einfache Erklärung zu den Ursachen der Niedrigzinspolitik. Im Prinzip gibt es drei Hauptfaktoren, die Anlass für die Senkung des Leitzinses gegeben haben.
➔ Eine instabile Wirtschaft in Europa
➔ Verschuldung von Ländern
➔ Die Bankenkrise

Durch einen niedrigen Leitzins soll es den Menschen erleichtert werden, Kredite aufzunehmen und Geld auszugeben, was im Gegenzug die Wirtschaft allgemein ankurbeln soll, um allgemeines Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Hinzu kommt, dass viele – eigentlich alle – Länder in Europa zu einem gewissen Grad verschuldet sind. Das berühmteste Beispiel der letzten Jahre ist wahrscheinlich Griechenland aber auch Deutschland hat ordentlich schulden. Damit die Länder von dieser Schuldenlast nicht erdrückt werden und nicht noch weiter in die Schulden rutschen, wurde der Leitzins heruntergefahren. Dadurch müssen die Länder weniger Zinsen auf schon bestehende Schulden zahlen.

Als letztes gibt es da noch die Bankenkrise, wo die Problematik ähnlich wie bei den Ländern aussieht. Viele Banken haben sich verspekuliert, riesige Schuldenberge aufgenommen und sind dann 2008 in der Wirtschaftskrise an den Rand des Abgrunds geschlittert. Damit diese Banken überhaupt wieder agieren konnten und sich „frisches“ Geld besorgen konnte, wurden ebenfalls die Zinsen gesenkt.

Auch übrigens stehen auch steigende Kontogebühren der Banken und das Aussterben von Filialbanken mit diesen Punkten in Zusammenhang.

Fazit zu „wie lange noch Niedrigzins?“

Wie schon geschrieben wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die Niedrigzinsphase endet und steigende Zinsen langsam bei uns ankommen – was auch sein Gutes hat. Denn die endlich erreichte, relative Stabilität der Wirtschaft in Europa sollte man natürlich nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Zumindest sollten die Zinsen wohl erstmal nicht noch weiter fallen – bis die Niedrigzinsphase dann aber wirklich zu Ende ist, wird man sich noch mindestens bis Ende 2018 gedulden müssen. Falls man allerdings in der Zwischenzeit einen Kredit abschließen möchte, sollte man das wahrscheinlich bald tun, bevor die Zinsen wieder steigen.

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Bildquelle: Vielen Dank an ProfessionalPhoto für das Bild (ProfessionalPhoto/www.pixabay.de)

Redakteur: Stephan Gert

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