Ende Niedrigzinsphase Nullzinspolitik

Ende der Niedrigzinspolitik – Bald steigende Zinsen?Neutralität mutual geprüft

Stehen steigende Zinsen und das Ende der Niedrigzinsphase vor der Tür? Wir haben recherchiert und erklären die wichtigsten Fakten.

Ende der Niedrigzinspolitik? – das Wichtigste im Überblick

    • Es deuten immer mehr Hinweise in Richtung eines Endes der Niedrigzinspolitik
    • Vor allem in den USA scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis es eine Zinswende gibt
    • Der Europäische Finanzmarkt hat sich in weiten Teilen stabilisiert
    • In Zukunft ist eine schrittweise Anhebung des Leitzinses der EZB denkbar, wann genau ist allerdings unklar

Bald steigende Zinsen und Ende von Niedrigzinspolitik?

Seit März 2016 steht der Leitzins der Europäischen Zentralbank auf 0% und Sparer verzweifeln an der Niedrigzinsphase vom Sparbuch bis zum Festgeldkonto. Nun deutet sich ein Richtungswechsel in der Niedrigzinspolitik an – gibt es bald wieder steigende Zinsen?

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Die Zeichen auf eine Wende in der Zinspolitik häufen sich zusehends. US-Notenbankchef Jerome Powell spricht bereits davon, den „Leitzins im Laufe des Jahres zu erhöhen.“ Und die Bank of England hat den Leitzins tatsächlich bereits von 0,1 auf 0,25 Prozent erhöht. In Europa werden es allerdings wohl zunächst nur die Leitzinsen und Renditen an den Rentenmärkten sein, die steigen. Sparer gehen wohl also erstmal leer aus.

Sie wollen ihr Geld vor Inflation und niedrigen Zinsen schützen? Dann empfehlen wir in das Anlegen in einen Sparplan. Aktien und ETFs bietet heutzutage deutlich bessere Renditen als jedes Festgeldkonto und das ganze ist auch nicht so risikoreich und kompliziert, wie es oft scheint.

Gibt es also bald wieder Zinsen?

Eine endgültige Einschätzung, was die von der EZB ausgegebenen Zinsen angeht, ist schwierig. Allerdings rechnen Experten des „Spiegel“ mit einer Fortdauer noch bis 2023. Europa wird hier also den USA nicht auf dem Fuß folgen.

Dafür bekommt die EZB von vielen Seiten Kritik nach dem Motto: „Alle leiten die Zinswende ein, nur die EZB nicht.“

Von den sehr schwammigen Aussagen der EZB, die aktuell zum Thema Niedrigzinsen getroffen werden, zeigen sich viele Beobachter überrascht. Vor allem in Anbetracht der hohen Inflationsrate von fast 5% (Februar 2022), hatten viele vielleicht gehofft, dass zumindest das Geld auf den Sparbüchern durch bessere Zinsen wieder etwas an Wert zulegt.

Der Kurs der EZB steht stattdessen aktuell wohl immer noch auf Wachstum. Günstige Kredite sollen dafür sorgen, dass Unternehmen sich leicht Geld leihen und dadurch wachsen und Jobs schaffen können.

Was wären Folgen einer Zinserhöhung?

Eine Zinswende würde sich zum Beispiel mit großer Wahrscheinlichkeit erstmal negativ auf den deutschen Bundeshaushalt auswirken. Denn auch der deutsche Staat hat Kredite am laufen und nimmt neue auf, es wird also auch auf nationaler und internationaler ebene teurer, große Investitionen zu tätigen. Aktuell sind die Konditionen für die Aufnahme von Schulden für den deutschen Staat so gut, nämlich im Negativzins Bereich, dass dieser mit der Aufnahme von Neuschulden sogar Geld hinzu verdient.

Auch für kleine Anleger und Menschen, die sich etwa eine Immobilie finanzieren wollen, würde sich einiges verändern. Die aktuell sehr niedrigen Zinsen etwa zur Baufinanzierung würden natürlich zusammen mit dem Leitzins ebenfalls steigen.

Problem vor allem für Südeuropa

Während sich hierzulande viele über eine Steigerung des europäischen Leitzinses freuen würden, wäre das Ende der Niedrigzinsphase für viele verschuldete südeuropäische Länder desaströs. Denn mit höherem Leitzins müssten etwa Italien oder Spanien auch höhere Zinsen auf ihre Staatsschulden zahlen, was die Staaten folglich noch tiefer in die Verschuldung treiben würde. So würde nach aktuellen Schätzungen bereits eine Anhebung des EZB-Zins um 0,1 Prozent Italien etwa 0,13 Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten.

Woher kommt die Niedrigzinspolitik?

An dieser Stelle noch eine kleine, einfache Erklärung zu den Ursachen der Niedrigzinspolitik. Im Prinzip gibt es drei Hauptfaktoren, die Anlass für die Senkung des Leitzinses gegeben haben.

  • Eine instabile Wirtschaft in Europa
  • Verschuldung von Ländern
  • Die Bankenkrise

Durch einen niedrigen Leitzins soll es den Menschen erleichtert werden, Kredite aufzunehmen und Geld auszugeben, was im Gegenzug die Wirtschaft allgemein ankurbeln soll, um allgemeines Wirtschaftswachstum zu erreichen.

Hinzu kommt, dass viele – eigentlich alle – Länder in Europa zu einem gewissen Grad verschuldet sind. Das berühmteste Beispiel der letzten Jahre ist wahrscheinlich Griechenland aber auch Deutschland hat ordentlich schulden. Damit die Länder von dieser Schuldenlast nicht erdrückt werden und nicht noch weiter in die Schulden rutschen, wurde der Leitzins heruntergefahren. Dadurch müssen die Länder weniger Zinsen auf schon bestehende Schulden zahlen.

Als letztes gibt es da noch die Bankenkrise, wo die Problematik ähnlich wie bei den Ländern aussieht. Viele Banken haben sich verspekuliert, riesige Schuldenberge aufgenommen und sind dann 2008 in der Wirtschaftskrise an den Rand des Abgrunds geschlittert. Damit diese Banken überhaupt wieder agieren konnten und sich „frisches“ Geld besorgen konnte, wurden ebenfalls die Zinsen gesenkt.

Auch übrigens stehen auch steigende Kontogebühren der Banken und das Aussterben von Filialbanken mit diesen Punkten in Zusammenhang.

Fazit zu „wie lange noch Niedrigzins?“

Wie schon geschrieben wird es wohl noch eine Weile dauern, bis die Niedrigzinsphase endet und steigende Zinsen langsam bei uns ankommen – was auch sein Gutes hat. Denn die endlich erreichte, relative Stabilität der Wirtschaft in Europa sollte man natürlich nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Zumindest sollten die Zinsen wohl erstmal nicht noch weiter fallen – bis die Niedrigzinsphase dann aber wirklich zu Ende ist, wird man sich noch mindestens bis Ende 2023 gedulden müssen. Falls man allerdings in der Zwischenzeit einen Kredit abschließen möchte, sollte man das wahrscheinlich bald tun, bevor die Zinsen wieder steigen.

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Bildquelle: Vielen Dank an ProfessionalPhoto für das Bild (ProfessionalPhoto/www.pixabay.de)

Redakteur: Stephan Gert

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