Kontoführungsgebühren Preismodelle

Kontoführungsgebühren und Preismodelle der Banken

Nach einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa halten nur 31% der Bankkunden die Kosten, Kontoführungsgebühren und allgemeinen Konditionen ihrer Bank für Transparent. Wie sehen die Preismodelle der Banken aus, wo lauern versteckte Kosten?

Fehlende Transparenz bei den Kontoführungsgebühren der Banken

Die Banken in Deutschland sind dazu verpflichtet, Preis- und Leistungsverzeichnisse zur Verfügung zu stellen, in denen alle Kosten für Dienstleistungen wie die Kontoführung, Überweisungen und ähnliches aufgelistet sind. Wer sich aber einmal so ein Verzeichnis angesehen hat, weiß, dass man oft lange suchen muss, um die gewünschten Infos zu finden.

Gleichzeitig tendieren Banken dazu, auf ihren Websites erstmal nur die Eckpfeiler eines Kontos anzugeben. Dabei werden gerne auch mal negative Aspekte wie zum Beispiel sehr hohe Kosten für die Nutzung des Dispokredits verschwiegen.

Ein gutes Beispiel für versteckte Kosten oder Pauschalgebühren sind etwa Kontoauszüge, die Geld kosten. Es gibt Anbieter, die ihre Kontoführungsgebühren mit 5 Euro angeben, es wird einem aber jeden Monat zu 1,60 Euro ein Kontoauszug per Post zugeschickt, was effektiv die Pauschalgebühren erhöht. Allerdings wird das Ganze natürlich nicht als zusätzlicher Kostenfaktor, sondern als toller Service ausgegeben.

Ein weiterer Faktor, der die Kontoführungsgebühren bzw. Pauschalgebühren eines Kontos in die Höhe treiben kann, sind kostenpflichtige Karten. Wenn zum Beispiel die Girocard sich auf – zunächst niedrig erscheinende – 12 Euro im Jahr beläuft, sind die Pauschalkosten schon wieder um einen Euro pro Monat gestiegen.

Hier gilt es auf jeden Fall, einen guten Girokontovergleich zu konsultieren und ein Auge auf das Kleingedruckte zu haben. In vielen Fällen kann man dann auch noch kostenlose Girokonten finden:

Girokonto Vergleich

Weitere Kostenfallen

Es gibt einige Kostenfaktoren, auf die man bei der Wahl des richtigen Girokontos besonders achten sollte, da gerade hier besonders gerne Gebühren versteckt werde oder zumindest nicht eindeutig ausgeschrieben sind.

Ersatz für Kreditkarte:
Zwar muss nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes bei Verlust gratis eine neue Kreditkarte gestellt werden, das Urteil wird aber nicht bei allen Banken richtig umgesetzt. So verlagen etwa die Targo Bank und Commerzbank, je nach Kontomodell, 15 Euro für eine Ersatzkarte.
Bei der DKB sind es zwischen 10 und 20 Euro.

Bareinzahlung und Kontoaflösung:
Bargeldeinzahlungen können bei vielen Banken Kosten verursachen, so muss man gerade bei Online- und Direktbanken fast immer Drittanbieter nutzen, da die Banken keine eigenen Automaten haben, wobei fast immer Kosten anfallen.

Die DKB bietet einen extra Service zur Bargeldabholung, wofür allerdings 30 Euro Kosten anfallen.

Einige Sparkassen verlangen auch bis zu 20 Euro gebühren, wenn man sein Konto auflöst und Spareinlagen zu einer anderen Bank übertragen will.

Ersatz für Kreditkarte:
Wie schon erwähnt ist auch der Dispokredit eine mögliche Kostenquelle. Hier gibt es sehr günstige Zinsen – zum Beispiel beim ING DiBa Girokonto oder dem DKB Cash – aber manche Anbieter lassen sich die Kontoüberziehung gut bezahlen. So zum Beispiel die Norisbank mit einem Zinssatz von 10,85%.

Viele Banken ziehen die Gebühren an

Besonders seit dem andauernden Sinkflug der Zinsen und die Strafzinsen auf Einlagen, die die Europäische Zentralbank erhebt, ziehen immer mehr Banken die Gebühren an um alternative Einnahmequellen zu schaffen. Es gibt immer weniger kostenlose Girokonten, immer öfter werden Gebühren für Leistungen verlangt, die früher kostenlos waren.

Von generellen Gebühren auf Girokonten bis zu Gebühren bei jeder Überweisung oder sogar Negativzinsen auf vorhandenes Guthaben werden nach und nach immer mehr Kosten an den Kunden weitergegeben.

Das Problem ist hier oft, dass Kunden bei den stetigen, kleinen Preiserhöhungen den Überblick verlieren. Die Bank muss einen zwar informieren, wenn die Kontoführungsgebühren steigen, insgesamt wirken die Gebühren aber oft zunächst nicht besonders hoch. Wenn sich aber Kontoführungsgebühren, Überweisungsgebühren etc. summieren, kostet das Konto plötzlich 20 Euro oder mehr im Monat.

Beispiele der neuen Preismodelle und Methoden

An dieser Stelle sollen drei Preismodelle die veränderten Strukturen bei den Banken und ihren Girokonten anschaulich machen. Wo werden Gebühren erhöht und wie werden die schlechten Zinsen an den Kunden weitergegeben?

1. Die Postbank
PostbankSeit November 2016 hat die Postbank ihr kostenloses Girokonto komplett abgeschafft und bietet stattdessen das sogenannte Postbank Konto Giro an. Dieses Modell kostet mindestens 1,90 Euro Kontoführungsgebühren im Monat, allerdings nur, wenn man alle Geschäfte online abwickelt. Bei allen anderen Leistungen, wie beleghaften Überweisungen, fallen hier relativ hohe Gebühren an. Wer seine Geschäfte auch ohne Zusatzkosten in der Filiale abwickelt können will, zahlt zwischen 3,90 und 5,90 Euro im Monat, je nach monatlichem Gehaltseingang.

2. Sparkasse SoestSparkasse
Für besonders viel Aufsehen hat das Modell der Sparkasse Soest gesorgt: Zunächst einmal kostet das günstigste Girokonto-Modell hier bereits 3,50 Euro im Monat. Hinzu kommen allerdings 2 Cent Gebühren pro Klick beim Online Banking. So kostet dann das abrufen des Kontostandes auf der Website 2 Cent, genauso wie das Tätigen einer Überweisung. Nur an den stationären Automaten der Sparkasse ist noch ein kostenloses abrufen des Kontostandes möglich, außer natürlich, man bezahlt die höheren Grundgebühren von 5 Euro im Monat. Dann wird man von den Klick-Gebühren befreit.

3. Die NetbankNEtbank erhebt Gebühren
Zum 01.04.2017 zieht jetzt tatsächlich auch eine Direktbank nach und erhebt Gebühren auf das bisher kostenlose Girokonto. Die Netbank. Offensichtlich reichen also die Ersparnisse, die durch das Fehlen von einem Filialnetz etc. entstehen, nicht aus, um das kostenlose Konto zu rechtfertigen. Man wird sehen müssen, ob in Zukunft auch andere Anbieter im Direkt- oder Online Banking Bereich dem Beispiel folgen.

Besonders transparente Anbieter

Es gibt einige Anbieter, die wir wegen ihrer besonders übersichtlichen Websites und allgemeinen Transparenz empfehlen können.

EthikbankEine hohe Transparenz bietet zum Beispiel die Ethikbank. Man hat auf der Website der Bank alle wichtigen Informationen und erreicht diese über wenige Klicks. Es handelt sich nicht um das günstigste Girokonto, man weiß aber definitiv, woher welche Kosten kommen. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass die Ethik Bank hohen Wert auf faires Geld legt.

Fidor BankEbenfalls vorbildlich ist die Darstellung des Fidor Smart Girokontos. Es besteht absolut keine Notwendigkeit sich durch die Preis- und Leistungsverzeichnisse der Bank zu wühlen, da auf der Website sehr ausführliche Informationen zu den verschiedenen Angeboten des Instituts zur Verfügung stehen.

Die Bank wechseln

Trotz aller hier beschriebenen Umstände fällt es den Deutschen offensichtlich sehr schwer, ihr Girokonto zu wechseln. Sehr widersprüchlich wirkt zum Beispiel die Tatsache, dass über 70% der Bankkunden sich bei ihrem Institut gut aufgehoben fühlen, obwohl ja, wie oben beschrieben, nur 30% der Kunden das Gefühl haben, das die Kosten ihres Anbieters transparent sind.

Dabei ist ein Kontowechsel heute wirklich kein großer Aufwand mehr und Banken sind mittlerweile verpflichtet, bis zu einem gewissen Grad beim Wechsel zu helfen. So müssen zum Beispiel Daueraufträge automatisch an die neue Bank übertragen werden.

Wer immer noch keine Antwort auf die Frage: Welche Bank ist die beste für mich? hat, dem helfen wir gerne mit dem persönlichen Kontofinder weiter.

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Redakteur: Stephan Gert

Bildquelle: Vielen Dank an sheadquarters für das Bild (sheadquarters/www.pixabay.de)

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