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Swatch Pay in Deutschland – Voraussetzungen & Vor- und Nachteile im ÜberblickNeutralität mutual geprüft

Obwohl Uhren schon seit einiger Zeit als kontaktloses Zahlungsmittel eingesetzt werden können, hat sich diese Option hierzulande noch nicht wirklich durchgesetzt. Mit Swatch Pay wagt jetzt ein weiterer Uhrenhersteller den Schritt, Mobile Payment über Wearables wie Uhren etc. stärker auf dem Finanzmarkt zu etablieren. Doch ist Swatch Pay wirklich „The coolest way to pay”?

Update: Die Boon App wird eingestellt, ab dem 19. Oktober 2020 kann SwatchPAY! mit der virutellen Mastercard der App VIMPAY genutzt werden und auch für Swatchpay nutzbar ist. Für den Wechsel wird außerdem ein Bonus von 50 Euro angeboten.

Was ist Swatch Pay?

Swatch UhrSwatch Pay ist ein mobiler Bezahldienst, der Zahlungen mit einer entsprechenden Uhr vom Schweizer Markenhersteller Swatch möglich macht. In seiner Funktionsweise ähnelt diese Methode vor allem Apple Pay mit der Apple Watch. Im Vergleich zur Konkurrenz hat der Dienst aber einen entscheidenden Vorteil: Es kann mit leerem Akku bezahlt werden. Derzeit ist Swatch Pay allerdings nur in einer begrenzten Anzahl von Ländern – Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande sowie China – verfügbar.

Was benötige ich zur Nutzung von Swatch Pay?

Die Verwendung von Swatch Pay ist an zwei Bedingungen geknüpft:

Zunächst muss der Nutzer über eine entsprechende NFC-fähige Uhr der Marke Swatch verfügen. Aktuell werden sechs verschiedene Modelle zu Preisen ab 75€ angeboten. Auch wenn die Auswahl derzeit noch begrenzt ist, dürfte sich das Angebot mit der Zeit erweitern.

Die zweite Bedingung ist das Vorhandensein einer Kreditkarte, die mit Swatch Pay kooperiert. Das ist in diesem Fall die kostenlose Prepaid MasterCard von boon, hinter der die Firma Wirecard steht. Diese Karte ist virtuell in einer App verfügbar, was ebenfalls ein Smartphone voraussetzt.

Swatch Pay an sich ist kostenlos, ebenso wie die boon Prepaid MasterCard. Natürlich fallen Kosten für den Kauf der Uhr an. Da die Uhr aber ebenso gewöhnliche Zwecke erfüllt, wird das an dieser Stelle vernachlässigt.

Wie richte ich Swatch Pay ein?

Swatch Pay AktivierungDie Nutzung von Swatch Pay setzt eine vorherige Einrichtung voraus, die wir hier kurz erläutern möchten:

Als erstes muss die Boon App auf dem Smartphone installiert und ein Account eingerichtet werden. Dort hinterlegen Sie dann die virtuelle boon Prepaid MasterCard. Im Anschluss ist eine Installation der Swatch Pay App und eine Einrichtung eines Accounts in dieser App vonnöten. Nun wird die entsprechende Kreditkarte als Zahlungsmittel in der App hinterlegt. Im letzten Schritt aktiviert ein Mitarbeiter in einem entsprechenden Swatch Store für Sie die Nutzung von Swatch Pay. Sobald das geschehen ist, können Sie mit Ihrer Uhr mobile Zahlungen tätigen.

Gut zu wissen: Für jede Swatch darf höchstens eine Kreditkarte hinterlegt sein. Es ist allerdings möglich, eine Karte bei mehreren Armbanduhren hinzuzufügen. Das bietet sich z.B. bei Ehepaaren an, die gemeinschaftliche Ausgaben haben.

Wie kann ich mit Swatch Pay bezahlen?

Die Zahlung mit Swatch Pay ähnelt anderen mobilen Bezahldiensten wie z.B. Google Pay. Der einzige Unterschied besteht darin, dass man statt des Smartphones die Uhr an das Terminal hält. Sobald die Zahlung autorisiert wurde, ertönt ein Signalton. Für Beträge unter 25€ funktioniert das Verfahren ohne eine weitere Personalisierung. Für zusätzliche Sicherheit über 25€ sorgt ein Bestätigen des Zahlungsvorganges mit der PIN.

Die boon Prepaid MasterCard

boon AppBevor man sich unter Umständen für eine neue Kreditkarte entscheidet, um Swatch Pay zu verwenden, sollten vorher die Konditionen und Kosten klar sein:

Die boon Prepaid MasterCard ist kostenfrei und ohne Girokonto erhältlich. Die Nutzung und Registrierung erfolgt dabei komplett über das Smartphone, ohne Schufa-Abfrage oder Identifizierungsvorgang. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Karte rein auf Prepaid-Basis funktioniert. Man kann also nur über das Guthaben verfügen, was auf der virtuellen Kreditkarte ist und hat somit beim mobilen Bezahlen mehr Sicherheit. Die Aufladung erfolgt dabei per Überweisung vom Girokonto oder per Kreditkarte.

Die Registrierung ist in zwei Minuten abgeschlossen. Dann kann man als boon.BASIC-Mitglied die Kreditkarte nutzen. Der Haken allerdings: Mit dem Account sind lediglich Verfügungen unter 100€ im Monat möglich, was nur für diejenigen ausreicht, die sehr sporadisch mit Swatch Pay bezahlen. Für Vielnutzer bleibt deswegen das Upgrade zu boon.PLUS als Alternative. Um den Account in vollem Umfang zu nutzen, ist zusätzlich eine Verifizierung nötig. Das Limit ist hier aber auf 2.000€ festgesetzt, was wesentlich mehr finanziellen Spielraum ermöglicht. Inzwischen ist auch dieses Konto kostenlos und es gibt einige zusätzliche Features.

Weiterhin sind Bargeldabhebungen mit der Kreditkarte leider nicht möglich, wodurch sich diese Kreditkarte lediglich als Erweiterung zu bereits bestehenden Konten und Karten eignet.

Mit welchen Banken funktioniert Swatch Pay?

Swatch Pay funktioniert derzeit nur mit der virtuellen boon Prepaid MasterCard von Wirecard. Ob hier zukünftig noch weitere Banken oder Kreditkarten hinzukommen, wird sich mit der Zeit zeigen.

Wie sicher ist Swatch Pay?

In Sachen Sicherheit steht Swatch Pay der Konkurrenz in nichts nach. Die Bezahlgrenze ohne PIN-Eingabe liegt genauso wie bei Google Pay bei 25€. Was allerdings den entscheidenden Unterschied macht, ist, dass die für Swatch Pay hinterlegte Kreditkarte auf Prepaid-Basis funktioniert. Sollte die Uhr doch einmal abhandenkommen, können mögliche Betrüger nur über den Betrag verfügen, der auf der Karte ist. Bei Verlust oder Diebstahl des Smartphones sichert die Eingabe eines Passwortes in der App Ihr Guthaben.

Fällt Ihnen der Verlust Ihrer Swatch auf, können Sie zudem die Funktion des kontaktlosen Bezahlens deaktivieren. Eine Aktivierung ist jederzeit wieder möglich.

Vor- und Nachteile von Swatch Pay im Überblick

Vorteile:

  • Einfach und unkompliziert kontaktlos bezahlen
  • Uhr als Zahlungsmittel
  • Kostenlose virtuelle Kreditkarte
  • Hohe Sicherheitsstandards (z.B. PIN-Eingabe über 25€, persönliches Passwort in der App)
  • Bei Nichtnutzung jederzeit Deaktivierung möglich
  • Verfügung über vorhandenes Guthaben (Prepaid)
  • Funktioniert auch mit leerem Akku

Nachteile:

  • Funktioniert nur mit boon Prepaid MasterCard
  • Aktivierung von Swatch Pay nur in Swatch Stores möglich (11 Städte in Deutschland)
  • Derzeit eingeschränkte Auswahl an NFC-fähigen Swatch Uhren
  • Boon Account vonnöten: im Basic-Modus nur Verfügungen über 100€ möglich

Fazit zu Swatch Pay

Das Bezahlen mit Wearables wie z.B. Uhren ist nach wie vor eine Seltenheit. Da konnten bisher weder Garmin Pay noch Fitbit Pay etwas verändern. Da Swatch Pay derzeit an viele Bedingungen geknüpft und dadurch nur sehr begrenzt nutzbar ist, bleibt abzuwarten, ob der Bezahldienst in Deutschland stärkere Akzente setzen kann und sich tatsächlich zum „The coolest way to pay” etabliert. Fakt ist allerdings, dass Wirecard durch die Kooperation mit Swatch ein gutes Verkaufsargument für sein neues Girokonto boon.PLANET geschaffen hat und sicherlich davon profitieren kann.

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4 Gedanken zu “Swatch Pay in Deutschland – Voraussetzungen & Vor- und Nachteile im Überblick

    1. Redaktion Beitragsautor

      Danke für den Hinweis, wir aktualisieren den Artikel schnellstmöglich.

      Beste Grüße
      die Redaktion

      Antworten
      1. M.

        Und hier ist noch meine Quelle, bzw. ein Textausschnitt der E-Mail (erhalten am 2.10.2020) von Swatch:
        „…
        boon. stellt zum 03.10. den Service der virtuellen Mastercard komplett ein. SwatchPAY! wird dann mit der virtuellen boon. Mastercard nicht mehr funktionieren. Gemäß boon. können Sie die Schließung Ihres Kontos sowie die Rückerstattung des Restguthabens über das Kündigungsformular in der boon. App oder per Mail an kontakt@beboon.com beantragen.

        Zunächst einmal möchten wir uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten entschuldigen!

        Wie geht es weiter?
        Ab dem 19. Oktober 2020 kann SwatchPAY! mit der virutellen Mastercard der App VIMPAY genutzt werden. Sie erhalten bald weitere Informationen über die nächsten notwendigen Schritte, um mit SwatchPAY! weiterhin bequem und kontaktlos bezahlen zu können.

        Wir bedanken uns aufrichtig für die von Ihnen bisher aufgebrachte Geduld und melden uns bald wieder mit weiteren Informationen!
        …“

  1. Martin

    Danke, endlich einmal ein gut durchdachter detailreiche Artikel, den man in vielen anderen Medien so nicht findet.
    Aktuell am 27.3.20 gibt es 9 verschiedene Uhren. Die günstigeren 6 kosten €80,- (für €75,- gab es die nur bis Ende 2019).
    Seit Weihnachten setzen wir 2 Swatchpay Uhren ein, im Grunde täglich. Empfehlenswert ist es wie beschrieben gleich auf boon.plus kostenlos hochzustufen. Eine Aufladung über die Boon. App ist in ca. 10 Sekunden erledigt, wenn man eine Kreditkarte nutzt (nutze Visa von DKB).
    Der herausragenste Vorteil für uns ist, dass unser Sohn (12) jetzt auch kontaktlos zahlen kann und er immer genug Geld dabei hat in Läden oder vor Wochen im Schwimmbad (Handy bleibt zu Hause) .
    Jeder von uns 3 nimmt, wenn es ausser Haus geht, einfach eine Uhr mit. Die Leute sind so erstaunt, dass es noch nirgendwo jemand hinterfragt hat, ob das überhaupt erlaubt ist. Niemand kennt das hier in der Gegend (Münsterland). Selbst die großen Discounter, bzw. Kassierer sind noch verwundert, dass es mit so einer unscheinbaren Uhr funktioniert.
    Understatement und Funktionalität stehen im Vordergrund. Man braucht einen Swatch Shop (z. B. in Münster oder Essen) für die Ersteinrichtung. Eine Uhrsperrung/Wiederfreigabe geht simpel über die Swatch. App in 5 Sekunden.
    Es dauert halt am Anfang etwas bis swatch. App, Kennung, boon. App, (Update auf boon. Plus dauert zu Hause am längsten wegen 2 Ident-Nachweisen) durchgeführt ist, für das man sich durchaus bis 45 Minuten im Laden einplanen sollte.
    Aber dann will man es nicht mehr missen.
    Für €80,- (ansonsten kostenlos) ist das gerade in der aktuellen Zeit ein tolles Familiengeschenk. Für uns hat es sich mehr als gelohnt.

    Antworten

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